
Zwei schlaflose Nächte hinter sich - die erste, um die Deadline für die Abgabe der Bachelorarbeit in Physik einzuhalten, die zweite für das Packen von drei Kameras, fünf Objektiven, sechs Akkus, zehn Speicherkarten und allen anderen Dingen, die man sonst noch für einen zweiwöchigen Segeltörn benötigt. Dieses Gefühl, sich mit Augenringen, fünf Stunden Flugverspätung und Klamotten, die sich eher für einen verregneten Sommertag in Deutschland, als für die hochsommerlichen Temperaturen in einem Yachthafen in Kroatien eignen, fehl am Platz zu fühlen. Nicht zu wissen, wer und was einen gleich erwartet, wenn man das Segelschiff gefunden hat, das für die nächsten zwei Wochen Mittelpunkt des Lebens und des Fotografierens werden wird.
Christoph Dressler ist 23 Jahre alt und Physikstudent. Seit er 15 ist, fotografiert er leidenschaftlich. Menschen und Situationen so abzulichten, dass andere sagen: „Ja, so ist die Person, so kenne ich sie, genau so ist es gewesen“ ist sein Ziel und Anspruch dabei. Dass ihm das immer wieder gelingt, kann man bei den Hochzeitsreportagen, die den Schwerpunkt seiner fotografischen Tätigkeit darstellen, sehen – und in Kürze wohl auch im Heidelberger Studikalender, für den er federführend verantwortlich ist.
Von Join The Crew hat er über einen Freund erfahren. Dominik Grotowski, der Join The Crew 2005 gegründet hat und Segeltörns für junge Leute in den verschiedensten Regionen der Welt anbietet, war auf der Suche nach einem Fotografen, sozusagen „Fotos gegen Koje“. Schon beim ersten Gespräch war klar, dass dies nicht nur heißen würde als beobachtende Person eine Reportage zu erstellen, sondern als vollwertiges Crewmitglied das zu erleben, was einen Segeltörn bei Join the Crew ausmacht und dabei in den richtigen Momenten auf den Auslöser zu drücken, um die Faszination auch für andere Menschen greifbar zu machen.
Bei seinen Reportagen legt Christoph Dressler größten Wert auf das optimale Licht, so auch bei der Dokumentation dieses Segeltörns. „Für ein wirklich gutes Foto reicht es nicht aus, wenn die Leute Spaß haben. Da muss das ganze Setting stimmen.“ Durch das tolle Licht in den Morgen- und Abendstunden und die Action an Bord entstehen bis zu 600 Fotos pro Tag - über 7000 Fotos in zwei Wochen. Die Bilder werden manuell (also ohne Automatik) belichtet – alle Einstellungen komplett unter Kontrolle zu haben ist für ihn die Grundvoraussetzung gelungener Fotos.
Dass es eine ganz neue Welt zu entdecken gibt, wenn man das erste Mal auf einem Segeltörn ist, erlebt er hautnah. Fremd sind nicht nur die 25 Mitsegler, sondern auch Begriffe wie Winsch, Achterliek, Großfall und Schoten – nur backbord und steuerbord kennt Christoph Dressler schon vom Windsurfen. “Fotografisch ist es sicher ein Vorteil, dass ich vorher noch nie länger gesegelt bin. So bin ich als Außenstehender dazu gekommen und habe auch mit der Kamera alles zum ersten Mal entdeckt.“ Bei seiner Reportage greift er nicht viel ein, sondern hält Situationen so fest, wie sie sich ergeben. Die Motive scheinen unerschöpflich: Steuern, Segel setzen, Schlafen an Deck, Party am Strand, Fahren im Dinghy, die anderen Boote der Flotille, Manöver , Landschaftsaufnahmen, Einzelportraits. „Bei so einer Reise gibt es einfach viele unwiederbringliche Momente. Wenn ich es schaffe, diese Momente so einzufangen, dass die Fotos bei den Mitseglern die Erinnerungen und das Gefühl von diesem Moment wieder hervorrufen, dann gibt mir das unglaublich viel.“ so Christoph Dressler. Um bestimmte Bildideen zu realisieren muss man oft viel mitdenken, und überlegen, was als Nächstes passieren könnte. Wenn sich zum Beispiel nach einer gefahrenen Wende der Stand der Sonne in Bezug auf das Boot ändert und damit der Lichteinfall auf das gesamte Situation ein anderer wird, muss die Belichtung natürlich entsprechend angepasst werden.
Nur wenige der Fotos sind gestellt. Bei diesen handelt es sich meist um spontane lustige Ideen, die dann umgesetzt werden, z.B. einen Eimer Wasser, den die Leute über den Kopf gekippt bekommen, ein Retrostyle-Fotoshooting auf der Yacht, oder eben die obligatorischen Gruppenfotos am Ende der Reise.
Die Nachbearbeitung der Fotos nimmt mehrere Tage in Anspruch. Nach doppelter oder dreifacher Sicherung werden die Bilder in drei Durchläufen gesichtet und dabei die Besten herausgesucht. Nur 10% - 20% sind wirklich gut. „Oft mache ich von schönen Situationen gleich mehrere Bilder, um sicherzugehen, dass die Person gut getroffen ist“ so der Fotograf. In Lightroom optimiert er die Fotos; kleine Korrekturen bezüglich Weißabgleich, Ausschnitt und Kontrast geben den Bildern im Nachhinein den letzten Feinschliff, auf größere Bearbeitung verzichtet er bewusst.
Übrig bleibt eine Auswahl, die sofort das Gefühl und die Erinnerung wieder hochbringen. Ob es für ihn einen ganz besonderen Moment gegeben hat? „An einem Abend bin ich mit einigen Crewmitgliedern auf einen kleinen Berg geklettert und habe mit einer Reihe von Fotos die Abendstimmung mit einsamen Inseln, unseren Booten, dem Meer und den Leuten eingefangen. Als ich fertig war, hatte sich der Rest schon wieder auf den Rückweg zu den Booten gemacht und ich war noch einen Weile auf dem Gipfel alleine. Ich hab die Kamera weggepackt, die Augen geschlossen und einfach den Moment genossen. Das war ein irres Gefühl.“
Nach zwei Wochen endet die Reise, wie sie begann - mit zwei schlaflosen Nächten und Augenringen - diesmal allerdings vom Feiern. Mit etwa 7000 Fotos im Gepäck geht es über die Gangway an Land und mit dem Flieger zurück nach Deutschland.
„Ich freue mich immer, wenn ich Leute treffe, die eine Leidenschaft für etwas haben. Und noch mehr freue ich mich, wenn jemand diese Leidenschaft lebt. Und diese beiden Dinge habe ich bei Christoph gesehen!“ so das Fazit von Dominik Grotowski.
Eine Auswahl der Fotos ist auf der Facebookseite von Join The Crew zu sehen:http://www.facebook.com/Join.The.Crew.Right.Now
Weiter Infos zu Christoph Dressler: www.dressler-photography.com
Weitere Infos zum Studikalender: www.studikalender-hd.de